13.01.2021

So putzen sich Lehrbetriebe für Lernende heraus

Arbeitsleben

Die rund 7500 Lehrbetriebe im Aargau tun einiges, um jungen Bewerber*innen zu gefallen. Sie organisieren sich für eine möglichst hohe Ausbildungsqualität in Verbünden und lassen sich mit Labels als rauchfrei, leistungssportfreundlich oder einfach «great» und «top» auszeichnen.

Der Kanton Aargau hat eine tiefe Maturitätsquote. Nur knapp 17 von 100 Jugendlichen haben gemäss Bundesamt für Statistik 2018 die gymnasiale Matur gemacht; schweizweit lag der Anteil über 20 Prozent. Das bedeutet umgekehrt: Der Aargau ist ein Lehrlingskanton, die Berufsbildung liegt hoch im Kurs. Auch sie sichert via Berufsmatur – ihre Quote liegt bei gut 17 Prozent – den Anschluss an eine Hochschulbildung.

Eine Lehre im Aargau kann man in rund 7500 Betrieben machen. Die Bandbreite ist riesig: Die grössten Unternehmen bieten eine dreistellige Anzahl Lehrstellen, die kleinsten Firmen beschäftigen eine*n einzige*n Lernende*n. Zu den grössten Lehrbetrieben zählen die beiden Kantonsspitäler Aarau und Baden sowie der Kanton Aargau. Dieser bildet insgesamt 160 Jugendliche in 16 verschiedenen Berufen aus; diesen Sommer haben 67 Lehrlinge frisch angefangen. Auch bei den Grossverteilern Coop und Migros machen unter anderem Dutzende angehende Detailhandelsfachmänner und -frauen ihre Lehre, in den Verteilzentren in Schafisheim bzw. Suhr sind zudem Lebensmitteltechnolog*innen, Logistiker*innen, Produktionsmechaniker*innen usw. gefragt. Weitere Betriebe mit vergleichsweise vielen Lehrstellen sind der Küchenbauer Franke, der Detailhändler Landi, die Post und die Forschungseinrichtung Paul Scherrer Institut (PSI).

Stärker im Verbund

Kleinere Betriebe, die nicht über eine*n eigene*n Berufsbildner*in als Betreuer*in der Lernenden verfügen, können sich einem Lehrbetriebsverbund anschliessen. Beispiel eines solchen Verbunds ist der Verein Lernwerk. Er übernimmt für die Partnerbetriebe – gemäss Referenzenliste rund 20 – die Rekrutierung der Lernenden, die Ausbildungsverantwortung, die Personaladministration und unterstützt die Lernenden schulisch und persönlich. Andere Sozialinstitutionen wie etwa die Stiftung Wendepunkt helfen Lehrbetrieben, die Lernende «mit erschwerten Voraussetzungen» beschäftigen, mit einem Coaching.

Ein grosses Berufsbildungsunternehmen im industriellen Sektor ist libs mit Hauptsitz in Baden. Angeschlossen sind über 120 Firmen, u.a. ABB, Bombardier, General Electric und Leica Geosystems. Das Portfolio umfasst 15 Lehrberufe. Ab 2021 werden alle Berufslernenden bei libs einen Unternehmerkurs absolvieren– neben technischem Know-how sollen sie auch Geschäftsideen entwickeln können. Das so geweckte unternehmerische Denken soll Innovation fördern, die direkt den Ausbildungsbetrieben zugutekommt. Für Fachfrauen/-männer Gesundheit (FaGe) und Betreuung (FaBe) gibt es ebenfalls eine übergreifende Berufsbildungsinstitution: die OdA GS Aargau (Organisation der Arbeit Gesundheits- und Sozialberufe). Zu ihren Mitgliedern zählen Spitäler, Kliniken, Heime, Kindertagesstätten usw. Dank des Rotationsprinzips im Ausbildungsnetz können die einzelnen Betriebe den Lernenden auch nur den für sie relevanten Teil des Ausbildungsspektrums anbieten.

Ausgezeichnet mit Label

Zur Ausbildungsqualität tragen nicht nur Synergien in Form von Verbünden bei. Eine andere Möglichkeit ist die Qualitätsbeurteilung und -entwicklung, die jeder Lehrbetrieb selber vornehmen kann. Entsprechende Messinstrumente stellt das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung auf dem Portal zur Berufsbildung zur Verfügung. Daneben kann man sich extern auszeichnen lassen. Die Organisation Great Place to Work zertifiziert Lehrbetriebe, indem sie die Lernenden befragt und das Ausbildungskonzept beurteilt. Das Label «Great Start» haben in den vergangenen Jahren drei Aargauer Unternehmen erhalten: Reusspark, Ikea und Franke. Ein weiteres Label heisst «Toplehrbetrieb». Es ist eine Auszeichnung von Gebäudetechniker-Unternehmen durch ihren Berufsverband. Auch hier findet man einige Aargauer Betriebe.

Die Lungenliga Aargau motiviert Unternehmen mit ihrem Projekt «zackstark», die Lernenden zu verpflichten, während der ganzen Lehre nicht zu rauchen. Wer durchhält, bekommt vom Ausbildungsbetrieb eine Belohnung. Für diesen lohnt sich das Engagement laut Lungenliga, weil die Jugendlichen produktiver und weniger oft krank seien. Zudem winke dem Unternehmen ein «Imagegewinn als gesunder Ausbildungsbetrieb». Die Liste der rauchfreien Aargauer Lehrbetriebe ist lang. Hier geht’s zu einem Video des Rauchfrei-Engagement der Schoop + Co. AG.

Für sportlich und beruflich Ambitionierte

Ebenso gibt es nicht wenige Lehrbetriebe, die es den Lernenden ermöglichen, neben Lehre und Berufsschule auch noch Leistungssport zu betreiben. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn wegen der vielen Trainings müssen sich diese Unternehmen bzgl. Arbeitszeiten sehr flexibel zeigen, damit junge Sporttalente ihrer Leidenschaft nachgehen können. Praktisch: Wer im kantonalen Lehrstellen-Nachweis LENA eine Stelle sucht, kann die Ergebnisse filtern nach «Leistungssport möglich». Anfang Dezember waren auf der Plattform weit mehr als 200 offene Lehrstellen ausgeschrieben, die sich mit einem sportlichen Engagement vereinbaren lassen. Die entsprechenden Betriebe werden von Swiss Olympic ausgezeichnet.

In der Regel während zwei Tagen pro Woche auf ihre Lernenden verzichten müssen auch Unternehmen, die Berufslehren mit begleitender Berufsmatur (BM I) anbieten. Die Lernenden besuchen während dieser Zeit die Berufsfachschule und erhalten dort zusätzlich Unterricht in erweiterter Allgemeinbildung. Für Lernende mit Ambitionen auf ein Fachhochschulstudium sind solche Lehrbetriebe natürlich attraktiv – auch sie lassen sich auf der Plattform LENA mit dem entsprechenden Filter identifizieren.

Fazit

Der Aargau hat viele tolle Arbeitgeber und Lehrstellen zu bieten. In welchen Berufsgruppen am meisten Lehrstellen offen sind, zeigt die monatlich aktualisierte LENA-Statistik. Auch auf Work Life Aargau sind die Lehrstellen zu finden. Mithilfe der Arbeitgeberportraits lässt sich auch schnell herausfinden, welcher Arbeitgeber am besten passt. 

Autor: CH Media

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