24.03.2021

Active Offering - der Karriereturbo: mehr als nur Selbstmarketing

Arbeitsleben

Gut ausgebildete und engagierte Mitarbeitende verschaffen sich mit Active Offering einen entscheidenden Wettbewerbsvorsprung in ihrer Karriere. Sie suchen gezielt den Kontakt zu Personen, die in Unternehmen entscheiden können. Das gilt für interessante, neue Projekte innerhalb des Anstellungsverhältnis oder wenn ein Stellenwechsel ansteht. Mit Active Offering werden die Menschen in ihren Karriereschritten von sich aus aktiv.

Auf der Seite der Unternehmen hat sich bei Stellenbesetzungen die aktive Suche nach potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten mit Direktansprache längst durchgesetzt. Mit dem sogenannten Active Sourcing werden Kontakte hergestellt und gehalten, um gegebenenfalls auch zu einem späteren Zeitpunkt über die passende Besetzung einer neuen Stelle zu sprechen. Soziale Netzwerke machen es immer leichter miteinander in Kontakt zu kommen.

Die Arbeitswelt 4.0 verändert Recruiting und Stellensuche

Viele der wechselwilligen Mitarbeitenden, welche auf der Suche nach einer neuen Herausforderung in einem anderen Unternehmen sind, warten nicht mehr ab bis eine Stelle ausgeschrieben wird und ein Inserat erscheint, das vielleicht auf ihre Person passen könnte und ihre Kompetenzen widerspiegelt. Stattdessen gehen sie strategisch klug vor und suchen aktiv. Sie setzen sich intensiv mit ihren Werten, Wünschen, Stärken und Potenzialen auseinander. Sie halten Ausschau, welches Unternehmen und welche Projekte oder Aufgaben zu ihnen passen. Sie analysieren die Aufgaben und Herausforderungen des Unternehmens und formulieren daraus den Nutzen, den sie in die Organisation mit einbringen können. Der Weg zu den Entscheidern in den Unternehmen geht möglicherweise über die Linienleiter oder persönliche Netzwerk-Kontakte im Wunschunternehmen oder über die HR-Verantwortlichen.

Unternehmen zeigen sich heute mit ihren Employer-Branding-Aktivitäten als attraktive Arbeitgeber. Sie müssen sich immer mehr darauf vorbereiten, dass sich Bewerbende auch ohne Stellenanzeigen bei ihnen melden. Gute Bewerberinnen und Bewerber bauen sich ihre langfristigen und nachhaltigen Netzwerke auf. Die Gespräche über Anstellungen, Funktionen und Aufgaben werden auf beiden Seiten begonnen. In den Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels wissen die Verantwortlichen der Firmen, dass sie über ihre Netzwerke auf interessierte Menschen treffen können, die möglicherweise gerade ihr Unternehmen als einen neuen Arbeitsort näher kennenlernen und prüfen wollen.

Es geht nicht um Blind- oder Initiativbewerbungen. Die Recherche des Bewerbers im Vorfeld ist ausschlaggebend. Es geht um das Nutzenangebot der einzelnen Personen, welches sie für das Unternehmen formulieren. Denn im Gespräch prüfen die Kandidatinnen und Kandidaten, wertschätzend und respektvoll, ob das Unternehmen, für das sie sich interessieren, wirklich das richtige für sie sein kann.

Active Offering ist eine Haltung und ein neuer Ansatz, der mit einer «Kommunikation auf Augenhöhe» dazu führt, dass die richtigen Personen den «richtigen Platz» finden.

Mit Active Offering im Unternehmen kreativ den richtigen Job finden

Heute werden immer mehr klassische Organisationen und frühere Karrierewege von flexibleren Modellen abgelöst. Die Digitalisierung und die Entwicklung von der Industrie- zu einer Wissensgesellschaft bringen neue Chancen für die Menschen in den Organisationen. Es wird vermehrt in Netzwerken und Projektteams ohne klassische Hierarchien gearbeitet. Flexible Arbeitszeiten sind vielerorts bereits mehr Regel als Ausnahme. Klassische Arbeitsstrukturen werden zunehmend abgeschafft. Entsprechend wichtig ist die Selbstständigkeit und Selbstorganisation der einzelnen Mitarbeitenden. Mit Hilfe von flachen Hierarchien werden Handlungsfreiheit und Eigenverantwortung ermöglicht und gestärkt. Dieses neue Arbeitsumfeld fordert von den Mitarbeitenden eine neue, unternehmerische Grundhaltung. Dieser Ansatz macht jeden Mitarbeitenden zur Führungskraft - verstärkt auch zur Führungskraft in eigener Sache. Von den Unternehmen wird verlangt, agile Arbeitsmethoden einzusetzen, um rasch auf Veränderungen zu reagieren und in Zeiten des Wandels flexibel, aktiv und anpassungsfähig zu bleiben. Das gilt im gleichen Masse auch für alle Mitarbeitenden.

Die Einstellung zur Arbeit hat sich verändert. Die Mitarbeitenden suchen in ihren Aufgaben in den Unternehmen immer mehr die Übereinstimmung mit ihren persönlichen Erwartungen und eine eigenständige Arbeitsplatzgestaltung. Das stärkt das Gefühl, durch die eigene Tätigkeit etwas erreichen zu können. So zu arbeiten, dass es ganz stark «mit einem selbst zu tun hat». Damit steigen Leistungsbereitschaft, die Freude bei der Arbeit und die Überzeugung, etwas Sinnvolles zu tun.

Active Offering im Job heisst, im Unternehmen den Wunsch nach neuen Herausforderungen zu formulieren und zu beschreiben. Genau darzustellen, wie man neue Aufgaben mit seinen individuellen Kompetenzen und Potenzialen erfolgreich und nachhaltig ausfüllen kann. Es heisst, sich ganz aktiv mit den Herausforderungen des Unternehmens zu beschäftigen und zu erkennen, wo man seine Kraft einsetzen kann und möchte. Wer sich dann intern für neue Aufgaben oder die Mitarbeit bei Projekten meldet, kann bald mehr Verantwortung übernehmen und seine Fertigkeiten kontinuierlich verbessern.

Active Offering zeigt und stärkt die individuelle Resilienz

Nicht überall in den Unternehmen funktioniert Active Offering auf Anhieb. Doch es auszuprobieren, lohnt sich allemal. Es ist mehr als ein Trend, die persönlichen Handlungsspielräume im Unternehmen zu erweitern und die Karriere selbst in die Hand zu nehmen und aktiv mitzugestalten. Proaktive Persönlichkeiten, die mit Offenheit, einer guten Portion Selbstbehauptungskraft und einer positiven Erwartungshaltung diesen Weg gehen, berichten von einer Stärkung ihrer Selbstwirksamkeit und davon, dass das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst.

Die Haltung des Active Offering fördert die Resilienz im Sinne der persönlichen Widerstandfähigkeit gegen Einflüsse wie Stress und Unsicherheiten. Stress entsteht aus Über- oder Unterforderung. Wenn wir glauben, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, oder wenn wir uns unterschätzt und nicht genügend anerkannt fühlen.

Wir können selbst an den Stellschrauben für die Veränderung von Aufgaben, Arbeitsweisen und Arbeitsbeziehungen drehen. Active Offering ist eine Einladung, die Sicht auf die persönliche Haltung oder Einstellung zur eigenen Arbeit zu überprüfen. Wer sich selbst mehr zutraut und sieht, wie seine Kompetenzen im Berufsumfeld wachsen, wird das Gefühl entwickeln, auch als Person stetig zu «wachsen». So werden resiliente Menschen beschrieben. Sie werden seltener krank und sind auch vor psychischen Problemen wie Burn-out besser geschützt.

Im besten Falle kann es passieren, dass der Effekt des Active Offering im Unternehmen für andere regelrecht ansteckend wirkt. Wer mutig mit gutem Beispiel vorangeht und sich seinen Traumjob selbst gestaltet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kolleginnen und Kollegen sich ebenfalls dafür begeistern.

Active Offering - 7 Tipps für Ihre nächsten Karriereschritte

Ob bei der Stellensuche oder beim nächsten Schritt im eigenen Unternehmensumfeld

  1. Bauen Sie Ihre persönliche Active-Offering-Strategie auf 
  2. Formulieren Sie konsequent Ihre Stärken, Talente und Bedürfnisse 
  3. Definieren Sie wo, wie und in welcher Funktion Sie arbeiten wollen 
  4. Analysieren Sie den Nutzen, den Sie mit Ihren Kompetenzen einbringen 
  5. Finden Sie für Ihre Zielgruppe die Entscheider und Multiplikatoren 
  6. Kontaktieren Sie wertschätzend, zielführend und auf Augenhöhe 
  7. Bleiben Sie dran, bleiben Sie hartnäckig und immer erreichbar

Link zum Thema:
www.active-offering.ch

Mit Work Life Aargau hat der Kanton Aargau eine spannende und umfassende Plattform für Informationen mit Mehrwert gestaltet. In den Stories von Ulrike Clasen, Netzwerk Kadertraining gibt es für die Zielgruppe der Fach- und Führungskräfte Inspiration für Laufbahn, Karriere oder Stellenwechsel. In der Rubrik Arbeitsleben erscheinen unter dem Titel: «Wissen teilen – Kompetenzen erkennen – Potenziale einsetzen» weitere Stories mit umsetzbaren Anregungen, Hinweisen und Tipps.

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