29.09.2021

Zementproduktion profitiert von viel praktischem Fachwissen

Interessen

Die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK) hat erstmals eine «Nacht der Aargauer Wirtschaft» organisiert. Marietta Frey von Aargau Services erhielt mit 49 anderen Teilnehmenden einen exklusiven Einblick in die Jura-Cement-Fabrik in Möriken-Wildegg.

Die «Nacht der Aargauer Wirtschaft», ein neues Format der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK), soll in der Öffentlichkeit zu mehr Verständnis für die Anliegen der hiesigen Unternehmen beitragen – insbesondere, was den Fachkräftemangel betrifft. Dies funktioniert am besten, wenn man einen direkten Eindruck vor Ort erhält, sagten sich die Verantwortlichen und organisierten deshalb am 16. September drei Bustouren mit je zwei Unternehmensbesuchen. In die Busse einsteigen durften je 50 angemeldete Personen.

Im Rampenlicht standen die Jura-Cement-Fabriken in Möriken-Wildegg und die Sager AG in Dürrenäsch (Wärme- und Schalldämmung), das Kantonsspital Baden und die ABB in Turgi (Division Antriebstechnik) sowie die Dottikon Exclusive Synthesis AG (Pharmawirkstoffe) und die Jaloumatic AG in Wohlen (Fenster- und Schiebeläden). Sie gaben den 150 Interessierten in den Abendstunden Einblick in ihre Tätigkeiten.

Die AIHK ist Partnerin von Work Life Aargau (WLA), Jura Cement, Kantonsspital Baden und ABB sind WLA-Unternehmen. Als Initiantin und Entwicklerin von Work Life Aargau war auch Aargau Services Standortförderung auf einer Tour dabei. Von ihren Eindrücken bei Jura Cement berichtet Marietta Frey, Projektleiterin Fachkräfteinitiativen.

Warum haben Sie ausgerechnet Jura Cement als Unternehmen ausgesucht?

Ich wohne in Möriken-Wildegg, also am Standort von Jura Cement. Mein Arbeitsweg führt an der Fabrik vorbei. Ich nehme das Unternehmen aber auch wegen seines sehr gut und transparent geführten Dialogs mit der Bevölkerung wahr. Es ist bekannt, dass die Zementherstellung sehr energieintensiv ist. Ich wollte deshalb mehr darüber erfahren, welche Massnahmen Jura Cement ergreift, um die Nachhaltigkeit in der Produktion zu erhöhen. Zudem hat mich interessiert, wie das Unternehmen als Arbeitgeber positioniert ist – insbesondere natürlich, weil es WLA-Mitglied ist.

Was ist Ihnen aufgefallen, hat Sie vielleicht sogar beeindruckt?

Die enormen Dimensionen des Werks, die einem erst auf einem Rundgang so richtig bewusst werden. Wenn man zum Beispiel auf dem 60 Meter hohen Zementsilo steht, kommt es einem vor wie in einer grossstädtischen Strassenschlucht. Sehr beeindruckend für die ganze Gruppe war der fast 60 Meter lange Zementofen, der 1450 Grad heiss wird. Persönlich hat mich die Einbindung der Jura Cement in die Region und den regionalen Wirtschafskreislauf überrascht. Erstens wird für die Bauindustrie in der Region produziert. Zweitens setzt Jura Cement für die Brennstoffe grösstenteils auf Abfallprodukte wie Altreifen oder Kunststoffabfälle, die oft auch aus der Region stammen. Und drittens wird aus der Zementproduktion Fernwärme an die Gemeinde abgegeben. Es ist für die Jura Cement zudem selbstverständlich, dass sie sich an Forschungsprojekten des PSI und der FHNW beteiligt, die sich damit befassen, wie das bei der Produktion ausgestossene CO2 nutzbar gemacht werden kann, um den ökologischen Fussabdruck zu verkleinern.

Wie ist Jura Cement als Arbeitgeberin aufgestellt?

Die Jura Materials-Gruppe, zu der die Jura Cement gehört, beschäftigt am Hauptsitz in Aarau Mitarbeitende in verschiedensten Berufsfeldern und bildet Lernende in sieben Berufen aus. Von den 150 Mitarbeitenden in Möriken-Wildegg haben die meisten einen technischen Hintergrund als Mechaniker*in oder Elektroniker*in, auch wenn sie keinen spezifischen Berufsbildungsrucksack für die Zementproduktion mitbringen. Unser Tourguide Markus Bolliger, Leiter Umwelt und Alternativstoffe, versicherte uns aber, dass viele langjährige Mitarbeitende ein deutlich grösseres praktisches Wissen und Verständnis für die einzelnen Maschinen hätten als die meisten Ingenieur*innen. Sie «fühlen» sich regelrecht in die Maschinen ein, nehmen die kleinsten Unregelmässigkeiten wahr und können sofort reagieren. Markus Bolliger begegnete den Mitarbeitenden auf unserem Rundgang mit allergrösstem Respekt.

Die Produktion läuft rund um die Uhr. Gibt es dafür eine spezifische Schlüsselstelle?

Ja, den Operator in der Kommandozentrale. Von ihm hängt es ab, dass die Zementproduktion unterbruchsfrei vonstatten geht. Diese wichtige Funktion wird in drei Schichten geführt. Der Operator ist verantwortlich für die Feinregelung der Produktion und letztlich für ein einwandfreies Endprodukt. Von den Stelleninhaber*innen wird eine sehr hohe Disziplin und eine ausgeprägte Organisationsfähigkeit verlangt, egal ob in einer Tages- oder Nachtschicht. Ein Operator muss in der Lage sein, im Fall eines Ofenstopps innert kürzester Zeit vom Standby-Modus auf 200 Prozent Einsatz umzuschalten.

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