03.02.2021

Wie berufliche Übergänge gelingen

Arbeitsleben

Wiedereinstieg, Umorientierung, Quereinstieg, weiterarbeiten nach der Pensionierung: Solche beruflichen Übergänge sind heute normal. Mit Planung, Fortbildung und Flexibilität stellt man sicher, dass die Arbeitsmarktfähigkeit erhalten bleibt.

Berufliche Laufbahnen führen heutzutage kaum mehr geradeaus. Oder kennen Sie noch jemanden, der*die eine Ausbildung machte und dann 40 Jahre lang ununterbrochen auf demselben Beruf im gleichen Unternehmen bis zur Pensionierung gearbeitet hat? In solchen (seltenen) Fällen ist nicht einmal mehr der lineare Aufstieg auf der Karriereleiter mit zunehmendem Dienstalter programmiert: Immer mehr Unternehmen propagieren sogenannte Bogenkarrieren. Dabei erfolgt der berufliche Höhepunkt im mittleren Alter, und wenn man auf den Ruhestand zusteuert, gibt man sukzessive Verantwortung ab und/oder reduziert sein Arbeitspensum.

Berufslaufbahnen sind auch zunehmend von Brüchen geprägt. Wer eine längere Auszeit nimmt – zum Beispiel für einen Sabbatical mit der Familie –, muss danach den Wiedereinstieg schaffen. Wem sein Beruf nicht mehr gefällt oder wer darin keine Zukunft sieht, muss sich umorientieren. Oder man beginnt nicht nochmals von vorn und wagt den Quereinstieg in ein neues Tätigkeitsfeld. Schliesslich hat man vielleicht mit Mitte sechzig keine Lust, vom einen Tag auf den anderen in den Ruhestand zu gehen, sondern möchte lieber noch etwas weiterarbeiten. Arbeitnehmende mit Bogenkarriere sind dafür prädestiniert, den Arbeitgeber*innen über das Pensionierungsdatum hinaus als flexible «Silver Workers» mit ihrem Know-how weiterhin zur Verfügung zu stehen. Alle beruflichen Übergänge haben etwas gemein: Es geht es darum, seine Employability, also Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten.

Ratgeber für berufliche Übergänge

Das Nordwestschweizer Stellenportal myjob.ch bietet Rat für solche berufliche Übergänge. In dessen Ratgeber sind weit über 800 Artikel zu Themen wie flexible Arbeitsmodelle, Neuorientierung, Pensionierung usw. vorhanden. Schauen wir uns an, was darin zu spezifischen Begriffen, die berufliche Übergänge betreffen, steht:

  • Sabbatical: Ein Sabbatical (abgeleitet vom biblischen Gedanken des Sabbatjahrs) ist eine mehrmonatige Arbeitspause, während der die Stelle freigehalten wird. Damit die berufliche Auszeit gelingt, muss diese nicht nur frühzeitig geplant, sondern gegenüber dem*der Vorgesetzten auch gut argumentiert werden, denn ein arbeitsrechtlicher Anspruch darauf besteht nicht. Man muss sich deshalb die Frage stellen, inwiefern das Sabbatical auch dem Arbeitgeber nützen könnte: etwa, indem man eine passende Weiterbildung macht, im Notfall erreichbar bleibt oder dann verreist, wenn es dem Unternehmen am besten passt.
  • Wiedereinstieg: Damit ist der Wiedereintritt ins Erwerbsleben nach einer längeren beruflichen Pause – zum Beispiel aufgrund von Elternschaft oder Krankheit – gemeint. myjob.ch rät, den Wiedereinstieg mit «gesundem Realismus» zu planen. Es gilt, sein Fachwissen aufzufrischen und sein Arbeitsprofil richtig einzuschätzen. Dazu gehören nicht nur die (evtl. gerade neu erworbenen) Kompetenzen und (evtl. lang zurückliegenden) Erfahrungen, sondern auch die zeitlichen Möglichkeiten: Nicht alle Lebensumstände erlauben es, sofort wieder einen Vollzeitjob anzustreben. Teilzeitarbeit kann zudem ein guter erster Schritt sein, um die eigene Arbeitsfähigkeit und -motivation einzuschätzen.
  • Umorientierung: Manchmal endet ein Job in einer beruflichen Sackgasse. Man sieht keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung mehr und/oder langweilt sich (dafür gibt es wie beim Burnout eine Diagnose: das «Boreout-Syndrom»). myjob.ch benennt fünf Schritte zu einer Umorientierung, ohne dass man gleich kündigen muss: 1. Ein Konzept für die berufliche Zukunft in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwerfen. 2. Prüfen, ob und wie sich diese Ziele innerhalb des Unternehmens realisieren lassen (interne Bewerbung, anderes Arbeitszeitmodell, Weiterbildung). 3. Aktiv werden, das Gespräch mit Vorgesetzten suchen und/oder interne Stellenausschreibungen durchforsten. 4. Alternativ externe Hilfe bei Laufbahnberater*in, Coach oder Psychotherapeut*in in Anspruch nehmen. 5. Das Resultat dieses Prozesses ist ein realistischer Karriereplan.
  • Quereinstieg: Quereinsteiger*innen sind Berufsleute, die in einen Job wechseln, für den sie keine formale Ausbildung vorweisen können. Damit ist bereits gesagt, dass es viele Berufe gibt, die sich für den Quereinstieg nicht eignen, weil die fachlichen Kompetenzen eine Hürde darstellen. Je spezialisierter ein Beruf, desto höher diese Hürde. Umgekehrt bieten sich Berufe an, die Generalist*innen ansprechen und nach einer vergleichsweise kurzen Fortbildung zugänglich sind (z.B. kann man an der Pädagogischen Hochschule FHNW ab 2021 die Studienvariante Quereinstieg für das Lehrdiplom belegen und bereits ab dem zweiten Studienjahr parallel unterrichten, also Berufserfahrung sammeln). myjob.ch nennt Produkt-, Projekt- und Prozessmanagement sowie Journalismus und PR als typische Quereinsteiger-Berufe.

«Silver Workers» gegen Fachkräftemangel

Bleiben noch die beruflichen Übergänge am oder gegen Ende der Karriere. Die Wirtschaft braucht das Wissen der «Silver Workers»: Zu diesem Schluss kam die Fachhochschule Nordwestschweiz bereits vor ein paar Jahren in ihrem interdisziplinären Forschungsprogramm über die alternde Gesellschaft. Sprich: Der Fachkräftemangel lässt sich durch die demografische Entwicklung mildern, indem die geburtenstarken und berufserfahrenen Babyboomer (zwischen 1946 und 1964 geboren und somit seit rund zehn Jahren ins Pensionsalter kommend) länger arbeiten. Dafür braucht es flexible Arbeitsmodelle, etwa mit nach und nach reduziertem Pensum oder mit der Möglichkeit zum Homeoffice, und neue Arbeitsinhalte wie beratende oder ausbildende Tätigkeiten, um den Know-how-Transfer zum Berufsnachwuchs sicherzustellen.

Autor: CH Media

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