16.07.2026
Arbeitsleben
41 Prozent der ausserkantonal arbeitenden Aargauerinnen und Aargauer geben an, im Kanton keine passende Stelle gefunden zu haben. Nur 18 Prozent nennen den Lohn als Hauptgrund für ihren Arbeitsort. Das zeigt das neue Pendlerbarometer von Work Life Aargau.
Der Aargau verliert Fachkräfte nicht in erster Linie wegen höherer Löhne in anderen Kantonen. Entscheidend ist häufig bereits die Stellensuche: Wer im Aargau keine passende berufliche Möglichkeit findet, orientiert sich ausserhalb des Kantons. Der Fachkräftemangel beginnt damit oft schon, bevor überhaupt eine Bewerbung geschrieben wird.
«Der Fachkräftemangel beginnt häufig nicht erst beim Recruiting, sondern bereits bei der Stellensuche. Wenn passende Stellen nicht sichtbar sind, gehen Unternehmen potenzielle Bewerberinnen und Bewerber bereits früh verloren», sagt Karsten Bugmann, Präsident von Work Life Aargau (WLA).
Der Wettbewerb beginnt vor der Bewerbung
Die Ergebnisse des Pendlerbarometers zeigen: Der Wettbewerb um Fachkräfte beginnt häufig schon bei der Stellensuche. Werden Unternehmen als Arbeitgeber nicht wahrgenommen, verlieren sie potenzielle Talente oft schon, bevor es überhaupt zu einer Bewerbung kommt.
«Die Umfrage zeigt, wie wichtig Employer Branding und die Sichtbarkeit als Arbeitgeber sind». Diese Themen stehen deshalb auch im Zentrum der Arbeit von Work Life Aargau», sagt Bugmann.
Das Fachkräftepotenzial ist bereits da
Die Umfrage zeigt ein grosses Potenzial für den Aargauer Arbeitsmarkt: Rund zwei Drittel der Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, wieder im Kanton Aargau zu arbeiten, sofern sich eine vergleichbare berufliche Möglichkeit bietet. Besonders gross ist diese Offenheit bei Personen mit längeren Arbeitswegen.
Gemäss den im Januar 2026 veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik pendelten 2024 täglich rund 104’500 Aargauerinnen und Aargauer zur Arbeit in einen anderen Kanton. Gleichzeitig weist der Kanton einen negativen Pendlersaldo von über 55’000 Personen auf. Viele der Fachkräfte, die Unternehmen heute suchen, wohnen bereits im Aargau. Entscheidend ist, sie mit passenden Stellen und attraktiven Arbeitgebern zu erreichen.
«Gerade dort, wo Unternehmen qualifizierte Fachkräfte suchen, lohnt sich der Blick vor die eigene Haustür», sagt Christoph Enderli, Geschäftsführer von Work Life Aargau. «Der Aargau verfügt über ein grosses Potenzial an qualifizierten Arbeitskräften. Die Herausforderung besteht darin, dieses Potenzial für den regionalen Arbeitsmarkt besser zu nutzen.»
Nicht nur der Lohn zählt
Für viele Fachkräfte ist nicht nur die passende Stelle entscheidend. Auch die Lebensqualität spielt eine wichtige Rolle. Zwar nennen 53 Prozent ein höheres Gehalt als wichtigen Anreiz für einen Stellenwechsel in den Kanton Aargau. Jedoch würden 45 Prozent bereits bei gleichem Gehalt und einem kürzeren Arbeitsweg einen Wechsel in Betracht ziehen. 39 Prozent wünschen sich mehr Freizeit durch kürzere Pendelzeiten, rund ein Viertel (24 %) sieht im Wegfall von Pendelstress einen entscheidenden Vorteil. Die Möglichkeit von Mehrfachnennungen zeigt, dass für viele Befragte mehrere Faktoren gleichzeitig entscheidend sind.
Kürzere Arbeitswege, mehr Zeit für Familie und Freizeit und somit eine höhere Lebensqualität sind starke Argumente für eine Rückkehr in den Aargau.
Chancen für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort
Für den Wirtschaftsstandort Aargau eröffnet sich daraus eine grosse Chance. Gelingt es Unternehmen, ihre Arbeitgebermarke zu stärken und offene Stellen sichtbarer zu machen, können mehr qualifizierte Fachkräfte aus der eigenen Region für den Aargauer Arbeitsmarkt gewonnen werden.
Work Life Aargau leistet dazu einen Beitrag, indem der Verein Arbeitgeber, Berufsperspektiven und offene Stellen im Kanton sichtbarer macht und Unternehmen dabei unterstützt, Fachkräfte aus der Region besser zu erreichen.
Die Umfrage macht deutlich: Ein grosser Teil des Fachkräftepotenzials für den Aargau befindet sich bereits im eigenen Kanton.
Die zentralen Erkenntnisse
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