08.09.2020

Benefit: Der Arbeitsplatz am gleichen Wohnort

Arbeitsleben

Soll ich für meinen Job umziehen? Die Vor- und Nachteile des Wohnorts in der Nähe des Arbeitsplatzes.

Täglich an einen weit entfernten Arbeitsplatz zu pendeln, kann eine Qual sein. Wer steht schon gern im Stau oder sitzt in einem überfüllten Zug? Doch auch wenn die Bahn frei ist, kostet der Arbeitsweg Zeit und Geld. Ein Ausweg ist, seinen Wohnort zu wechseln und in die Nähe seines Arbeitgebers zu ziehen. Doch dieser Schritt hat nicht immer nur Vorteile.

Manche Arbeitnehmer*innen haben einen kurzen Arbeitsweg: Sie wohnen in der Nähe ihres Arbeitgebers und können ins Büro oder in die Fabrik zu Fuss gehen oder mit dem Velo fahren. Andere müssen eine weitere Strecke auf sich nehmen und für den Arbeitsweg ins Auto oder in den Zug steigen. Sie sind also Pendler*in. Dazu ein paar Zahlen:

  1. Es gibt immer mehr Pendler*innen: Gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) arbeiteten 2017 von den rund vier Millionen Arbeitspendler*innen 71 Prozent ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Das waren deutlich mehr als noch im Jahr 1990, in dem diese Quote erst 59 Prozent betrugt. «Entsprechend durchziehen heute weitaus grössere Pendlerströme das Schweizer Mittelland und die Alpentäler als noch vor wenigen Jahrzehnten», schreibt das BfS. 52 Prozent der Pendler*innen benutzten als Hauptverkehrsmittel für den Arbeitsweg das Auto. 31 Prozent begaben sich mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit, 15% zu Fuss oder mit dem Velo. Durchschnittlich legten die Arbeitspendler*innen pro Arbeitsweg (Hinweg) 15 Kilometer zurück und benötigten dafür 31 Minuten. 
  2.  Die Staustunden haben sich in knapp zehn Jahren verdoppelt: Wer regelmässig im Stau steht oder in einem Zug sitzt, der sich immer wieder verspätet, für die oder den klingt eine halbe Stunde Arbeitsweg möglicherweise wie Hohn. Das BfS schreibt von einer «markanten Steigerung» der gemessenen Staustunden. Diese haben sich zwischen 2009 und 2018 nicht weniger als verdoppelt: Hauptsächlich wegen Verkehrsüberlastungen standen die Schweizer Automobilist*innen und 2018 insgesamt 25 366 Stunden im Stau – Zeit, die sie sicherlich besser hätten nutzen können. 
  3.  Die Pünktlichkeit der Bahn nimmt ab: Knapp neun von zehn Zugsreisenden haben 2019 ihr Ziel pünktlich erreicht. Gemäss einem Artikel in der Aargauer Zeitung lag die Pünktlichkeitsquote bei 89,5 Prozent und damit 0,6 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Um ein ganzes Drittel angestiegen waren die Reklamationen von Kund*innen. Und im öffentlichen Verkehr kommt ein Problem hinzu: Am 18. August 2020 berichtete die TV-Sendung 10 vor 10, dass täglich 125 Züge ausfallen, auch zur Pendlerzeit. Es fehlen Dutzende Lokführer*innen, und die Coronavirus-Pandemie verzögert die Ausbildung. 

Wer nicht gerade seinen Traumberuf in der Stadt A gefunden und sein Traumhaus im Dorf B gebaut hat, kann nur zu einem Schluss kommen: Das Pendeln über eine längere Strecke sollte man tunlichst vermeiden. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: den Job wechseln oder die Wohnung wechseln. Angenommen, die Chance auf einen neuen Mietvertrag sei grösser als die Chance auf einen neuen Arbeitsvertrag, stellt sich geplagten Pendler*innen deshalb in erster Linie die Frage: Soll ich für meinen Job umziehen? Was spricht für einen Wohnortswechsel und was dagegen?

Die Vorteile eines Wohnortswechsels

Ein beruflich bedingter Umzug in die Nähe des Arbeitgebers kann ein wichtiger Schritt auf der Karriereleiter sein. Ein kurzer Arbeitsweg kann Sie als Arbeitnehmer*in attraktiver machen. Sicherlich begrüsst es das eine oder andere Unternehmen, wenn die Mitarbeitenden auch privat vor Ort und damit einfacher abrufbar sind bzw. kurzfristig Aufgaben übernehmen können. Und aus der Sicht der Angestellten sind Überstunden vielleicht einfacher zu bewältigen, wenn danach nicht noch ein langer Heimweg angetreten werden muss.

Ein weiterer Vorteil eines Umzugs für den Job ist natürlich die Zeitersparnis. Pendeln Sie durchschnittlich drei Stunden pro Tag mit dem Auto oder der Bahn, haben Sie nach dem Wohnortswechseln in der Nähe des Unternehmens mehr Zeit für ihre Familie und ihre Freizeit. Wohlgemerkt sind das hochgerechnet 15 Stunden pro Woche mehr, die Sie anderweitig nutzen können. Zudem kostet das Pendeln Geld: Tickets oder Abo für den öffentlichen Verkehr bzw. die verschiedenen Ausgaben für das Auto: Laut dem Vergleichsdienst Comparis beläuft sich die Vollkostenrechnung für ein Auto im Neuwert von 35 000 Franken in der Schweiz auf jährlich 10 000 Franken bzw. 71 Rappen pro gefahrenen Kilometer.

Flexible Einsatzbereitschaft und damit erhöhte Attraktivität als Arbeitnehmer*in, weniger Zeitverlust, tiefere Kosten und nicht zuletzt geschonte Nerven sind unbestrittene Vorteile eines Wohnortswechsels in die Nähe des Arbeitgebers.

Die Nachteile eines Wohnortswechsels

Mit einem Umzug sind selbstredend Kosten und Nachteile verbunden. Erstens kosten die Wohnungssuche und der Umzug selbst Zeit und Geld – bis zu mehreren Tausend Franken. Unter Umständen ist auch die neue Wohnung teurer – insbesondere dann, wenn der Arbeitsort in einem Ballungszentrum liegt, wo der Druck auf den Wohnungsmarkt wegen der zentralen Lage und der ausgebauten Infrastruktur tendenziell grösser ist als auf dem Land.

Weitere «Kosten» sind nicht monetärer, sondern sozialer Art. Den Wohnort zu wechseln, bedeutet immer auch, sein gewohntes Umfeld zu verlassen. Man muss mit neuen Nachbarn auskommen, die Kinder mit neuen Schulkolleg*innen. Die bisherigen Freunde sind plötzlich weit weg, ein neuer Bekanntenkreis muss sich zuerst entwickeln, denn Facebook & Co. können den physischen sozialen Austausch nicht ersetzen. Kurz: Ein Umzug ist ein Auszug aus der eigenen Komfortzone.

Unter dem Strich mehr Lebensqualität

Ein Wohnortswechsel hin zum Arbeitsplatz will also gut durchdacht sein. Vor- und Nachteile müssen abgewogen werden. Zum Beispiel die Kosten: Wenn man durch den kürzeren Arbeitsweg mehr Geld spart, als man für den Umzug (einmalig) und einen höheren Mietzins (fortlaufend) zusätzlich ausgeben muss, dann geht die Rechnung auf. In die Kalkulation einbeziehen sollte man auch das allfällig höhere Einkommen, das sich durch das private örtliche Entgegenkommen evtl. ergibt. Und es ist abzuklären, ob sich der Arbeitgeber an den Umzugskosten beteiligt.

Genauso wichtig wie die Kostenfolgen ist die Zunahme von Lebensqualität, der sich ergibt, wenn man auf die tägliche Pendlerei verzichtet. Diesen persönlichen Gewinn kann man nicht in Franken und Rappen beziffern, oder anders ausgedrückt: Er ist unbezahlbar. Denn wer ehrlich zu sich selbst ist, muss zugeben: Zeit ist unsere wichtigste Währung.

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Autor: CH Media

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