16/02/2021

Persönliches Erfahrungswissen aktiv als anschlussfähig an die Arbeitswelt 4.0 zeigen

Arbeitsleben

Der Wandel von der analogen zur digitalen Arbeitswelt ist längst in nahezu allen Branchen und bei allen Berufsbildern angekommen. Jetzt ist die Zeit, sich offen und aktiv zu zeigen und den digitalen Wandel nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv voranzutreiben. Am besten mit dem Aufbau von neuem Wissen auf der Basis des persönlichen Erfahrungswissens.

Die letzten Monate haben uns die Veränderungen klar vor Augen geführt. Daten werden digital verarbeitet, Prozesse noch weiter automatisiert und neue Zusammenarbeitsformen halten Einzug in den Teams. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, werden in den Unternehmen nicht nur neue Programme eingesetzt, sondern die Veränderungsschritte werden vielerorts ganzheitlich angesehen.

Unternehmen definieren neue Kompetenzen und suchen Mitarbeitende mit neuen Fähigkeiten. In den Organisationen wächst aber auch die Bereitschaft, die Mitarbeitenden zu schulen und neues Wissen aufzubauen. Programme unter dem Titel «Upskilling», also Weiterbildung, werden eingesetzt.

Dabei werden Mitarbeitende ermutigt, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, um sich für die digitale Zukunft vorzubereiten. Der schnelle Wandel ist noch lange nicht vorbei und es macht für die Unternehmen sehr viel Sinn, Hürden abzubauen und eine gemeinsame Wissensbasis zu bilden. Damit gelingt es, die Menschen mitzunehmen. Es geht auch um die Kompetenzen, die in den nächsten drei bis fünf Jahren aller Voraussicht nach gebraucht werden. Sich jetzt vorzubereiten für das kontinuierliche Lernen, stellt sicher, dass neues Wissen und aktuelle Technologien leichter integriert werden können.

Stillstand ist Rückschritt

Für die Menschen in den Unternehmen heisst es, sich weiterzuentwickeln und nicht stehenzubleiben. Die Kombination aus fachlicher Expertise und methodischem Know-how sowie die individuelle Persönlichkeit sind die Basis für die Erarbeitung von Zukunftskompetenzen. Das macht die Mitarbeitenden heute für ihren Arbeitgeber besonders attraktiv. Sich auf die digitale Arbeitswelt einzustellen und persönlich weiterzuentwickeln, hat also zahlreiche Vorteile.

Neues Arbeiten bedeutet heute mehr denn je, dass jede Person fortlaufend in sich und die eigenen Fähigkeiten investieren muss. Wenn Sie diese Chancen nutzen, die die Arbeit der Zukunft mit sich bringt, werden Sie Ihre beruflichen Ziele erreichen.

Erfahrungswissen punktet auch in Zukunft

In den Köpfen der Menschen existiert nach ihren Ausbildungen und Arbeits-erfahrungen eine Menge an Wissen. Ein grosser Teil davon ist das sogenannte Erfahrungswissen, das auch als Handlungswissen bezeichnet wird. Dieses praktische «Know-how-to» ist weder dokumentierbar noch formalisierbar, sondern personengebunden und geht über alle Arbeitsanweisungen hinaus. Das individuelle Erfahrungswissen wird direkt über die Arbeits- und Lebenszusammenhänge angeeignet. Dem gegenüber steht das explizite Wissen, das systematisch ausserhalb der Praxis als theoretisches und wissenschaftliches Wissen erfahren wird.

Es ist wichtig, Berufserfahrungen und Erfahrungswissen nicht abzuwerten. Oft geschieht das aus Unwissen. Viele Mitarbeitende verfügen über jahrelang gewachsenes Wissen und Fähigkeiten, die so schnell kein Young Professional oder Uniabsolvent ersetzen kann. Das für sich selbst zu erkennen und Erfahrungswissen klar zu formulieren, ist der richtige Weg. Mit der Bewusstwerdung der eigenen Stärken kann die Anschlussfähigkeit an gefordertes neues Wissen gelingen.

Unsere Umwelt wird immer virtueller und abstrakter und gerade jetzt brauchen wir einen guten Zugang zu unserem Erfahrungswissen. Das ist kein Widerspruch zum Erarbeiten von kognitivem Wissen. Neues Wissen baut auf allem auf, was in der Vergangenheit gelernt und an Erfahrungen verinnerlicht wurde. Diese Erfahrungen sind in uns durch Erleben und Begreifen entstanden, also durch Lernprozesse, die alle Sinne berühren. Damit haben wir uns die «Startrampe» geschaffen, um heute einzutauchen in die abstrakte Datenwelt, um neues Wissen und die Technik zu nutzen.

Zukunftskompetenzen erarbeiten

Treffen Sie die Entscheidung, etwas Neues zu lernen, die Dinge anders zu tun oder anders über die Dinge nachzudenken. Warten Sie nicht auf den Druck von aussen. Lassen Sie das aus der eigenen Neugier und Freude entspringen.

Aber Achtung, vielfach steht dem Ausprobieren und dem Wagen von Neuem der Wert «Ich muss perfekt sein» im Wege. Es kann sein, dass es nicht leichtfällt, zuzugeben, dass es nicht gleich gelingt. Dies offen zu kommunizieren, bahnt den Weg, in Gruppen und Teams und voneinander aus den Erfahrungen gemeinsam zu lernen.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt erfordert eine ganze Palette neuer Fähigkeiten und Kompetenzen. Doch um sie einzusetzen, werden in Zukunft zahlreiche nicht-digitale Qualifikationen immer wichtiger. Das sind Fähigkeiten wie zum Beispiel

  1. Kreativität, um neue Ideen beizusteuern und damit zu Innovationen und neuen Möglichkeiten im gesamten Arbeitsumfeld beizutragen.
  2. Problemlösungsfähigkeit, denn bei allen automatisierten Prozessen bleiben die Menschen weiterhin wichtig und nur der Mensch kann Probleme erkennen und lösen.
  3. Kritisches Denken, um zu hinterfragen und sich einzubringen mit zielführendem Feedback, Kommunikation auf Augenhöhe und fokussierten Entscheidungen.
  4. Kollaborative Zusammenarbeit, indem in den Teams parallel gemeinsam und mitverantwortlich am Ergebnis eines Prozesses oder Projektes gearbeitet wird. Die Fähigkeit zur virtuellen Kollaboration wird immer wertvoller werden.
  5. Selbstorganisation in Eigenverantwortung, besonders bei dezentraler und digitaler Zusammenarbeit als wesentlicher Schlüssel zu Produktivität, Zielerreichung und Zufriedenheit.
  6. Selektion relevanter Informationen, um die richtigen Informationen als Basis für Entscheidungen und Handlungen zu nutzen und mit analytischem Denken aus dem Kosmos an Informationen das Wichtige herauszufischen.
  7. Entwicklungsbereitschaft und mit der Zeit gehen, neue Entwicklungen erkennen, um sich neues Wissen anzueignen und das eigene Profil daran auszurichten.

Fit für die digitale Zukunft

Je intensiver Sie sich mit diesen Fähigkeiten auseinandersetzen, umso mehr haben Sie die Chance, zu erkennen, wo und wie Sie diese Kompetenzen in der Vergangenheit in Ihren verschiedenen Arbeits- und Lernerfahrungen eingebracht haben. Bringen Sie so Ihr Erfahrungswissen in die neue Arbeitswelt und formulieren Sie die Anschlussfähigkeit Ihres Wissens an das, was heute verlangt wird.

Wer die genannten Fähigkeiten bereits mitbringt, hat klare Vorteile, um das eigene Wissen mit den gefragtesten Zukunftskompetenzen im digitalen Bereich und den technologischen Fähigkeiten zu ergänzen. Dazu gehören zum Beispiel:

  1. Digitale Kompetenz und Medienkompetenz, um digitale Inhalte zu erfassen, zu verstehen und für die jeweiligen Aufgaben zu nutzen.
  2. Agile Arbeitsweisen, wie zum Beispiel die Projektorganisation mit Methoden wie Design Thinking, Business Model Canvas, Lean Startup, Retrospektiven, Scrum und Kanban, um interdisziplinär zu arbeiten und damit schneller zum Ziel zu kommen.
  3. Datenanalyse: Weil die Zukunft der Arbeit vom Umgang mit Daten geprägt ist, wird es immer wichtiger, grosse Datenmengen effizient mit analytischen Methoden zu untersuchen, um relevante Informationen zu gewinnen.
  4. Tech-Translation, um zwischen Technologie-Experten und involvierten Nichtfachleuten zu moderieren und während eines gemeinsamen Projektes im Austausch zwischen den Abteilungen die technischen Aspekte des eigenen Arbeitsbereiches zu vermitteln.
  5. Digital Learning und digitale Interaktion, mit dem Ziel, über Onlinekanäle andere zu verstehen und sich ihnen gegenüber angemessen zu verhalten und aus einer Vielzahl digitaler Informationen valides Wissen zu ausgewählten Themengebieten aufzubauen.

Zeigen Sie, dass Sie bereit sind, immer wieder in Ihre fachliche und persönliche Weiterentwicklung zu investieren. So gelingt es, weiter verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Sie überzeugen nicht nur mit Ihren Fähigkeiten, sondern auch mit der Bereitschaft, sich immer wieder neues Wissen und neue Kompetenzen anzueignen.

Mit Work Life Aargau hat der Kanton Aargau eine spannende und umfassende Plattform für Informationen mit Mehrwert gestaltet. In den Stories von Ulrike Clasen, Netzwerk Kadertraining gibt es für die Zielgruppe der Fach- und Führungskräfte Inspiration für Laufbahn, Karriere oder Stellenwechsel. In der Rubrik Arbeitsleben erscheinen unter dem Titel: «Wissen teilen – Kompetenzen erkennen – Potenziale einsetzen» weitere Stories mit umsetzbaren Anregungen, Hinweisen und Tipps.

More Stories

Jobsuche – wie finde ich heraus, ob das neue Unternehmen und das neue Umfeld wirklich zu mir passen?

Story

05/05/2021

Arbeitsleben

Jobsuche – wie finde ich heraus, ob das neue Unternehmen und das neue Umfeld wirklich zu mir passen?

Wir verbringen über die Hälfte unseres Lebens mit Arbeiten – das ist Grund genug, bei einem Stellenwechsel genau hinzuschauen, auf was man sich im neuen Umfeld einlassen will. Es gilt, vorher heraus zu finden, was einen nachher erwartet. Das Gute dabei ist: Heute sind entsprechende Informationen auch zu finden. Die Bemühungen der Unternehmen im Employer Branding und Personalmarketing steigen und Wechselwillige oder Stellensuchende prüfen die möglichen Optionen direkter und ausführlicher.

Das Praktikum – Einstieg in den Traumberuf oder verlorene Zeit?

Story

11/05/2021

Interessen

Das Praktikum – Einstieg in den Traumberuf oder verlorene Zeit?

Viele junge Erwachsene machen nach dem Abschluss ihres Studiums ein Praktikum. Damit gewinnen sie einen Einblick in die Berufswelt. Allerdings besteht die Gefahr, dass sie zu schlechten Löhnen die gleiche Arbeit leisten wie eine Fachkraft.

Collaboration Tools erleichtern das digitale Arbeitsleben

Story

09/06/2021

Arbeitsleben

Collaboration Tools erleichtern das digitale Arbeitsleben

Spätestens seit Corona sind sie in aller Munde: die digitalen Helferlein wie Teams und Trello, Slack und Skype, ohne die Remote-Zusammenarbeit undenkbar wäre. Ihre Funktionen überschneiden sich zum Teil. Wenn man wählen kann, sollte man deshalb ausprobieren, welches Tool zu den eigenen Bedürfnissen am besten passt.

So steht’s um die «Corona-Lernenden»

Story

21/04/2021

Arbeitsleben

So steht’s um die «Corona-Lernenden»

Den aktuellen Lernenden steckt ein Jahr Covid-19 in den Knochen. Seit Pandemiebeginn misst der LehrstellenPuls regelmässig, mit welchen Einschränkungen Auszubildende und Betriebe konfrontiert sind.